Das F.R.A.N.Z.-Projekt

Biologische Vielfalt ist eine wichtige Grundlage für intakte Ökosysteme und damit auch für die Landwirtschaft. Die weltweit wachsende Nachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten auf der einen und die Bewahrung der Artenvielfalt auf der anderen Seite führen häufig zu Zielkonflikten. Das Dialog- und Demonstrationsprojekt F.R.A.N.Z. (Für Ressourcen, Agrarwirtschaft & Naturschutz mit Zukunft) setzt hier an und entwickelt effiziente Naturschutzmaßnahmen und Bewirtschaftungskonzepte.

Das F.R.A.N.Z.-Projekt ist 2017 gestartet und läuft über zehn Jahre. Beteiligt sind zehn landwirtschaftliche Demonstrationsbetriebe in verschiedenen Regionen Deutschlands – neun Ackerbaubetriebe und ein Grünlandbetrieb. Sie spiegeln die Vielfalt der deutschen Agrarlandschaften wider, von großflächigen Schlägen im Nordosten bis zu kleinteiligen Strukturen im Süden.

Die Betriebe zeigen in der Praxis, wie Naturschutzmaßnahmen im intensiven Acker- und Grünlandbau umgesetzt werden können. Sie werden durch Landesbauernverbände und Kulturlandschaftsstiftungen begleitet und bieten Einblicke für Landwirte und Landwirtinnen, Naturschutz, Wissenschaft und die interessierte Öffentlichkeit.

Zentral für das Projekt ist der Austausch auf Augenhöhe zwischen Landwirtschaft, Naturschutz und Wissenschaft. Gemeinsam wurden 16 Maßnahmen entwickelt und auf fünf bis zehn Prozent der Betriebsfläche umgesetzt. Dabei stehen ökologische Wirkung, Praxistauglichkeit und Wirtschaftlichkeit im Fokus.

Das Projekt wird wissenschaftlich intensiv begleitet. Ein langfristiges Monitoring untersucht die Auswirkungen der Maßnahmen auf acht Organismengruppen, ergänzt durch Studien zur Bodenbiologie, biologischen Schädlingsbekämpfung und Landschaftsmodellierung. Außerdem werden rechtliche Hürden identifiziert und Verbesserungsvorschläge entwickelt. Die Kosten der Maßnahmen werden ebenfalls erfasst, um ihre wirtschaftliche Bedeutung und Umsetzbarkeit besser beurteilen zu können.

Das F.R.A.N.Z.-Projekt wird von der Umweltstiftung Michael Otto und dem Deutschen Bauernverband geleitet. Wissenschaftlich begleitet wird es durch die Thünen-Institute für lebensverhältnisse in ländlichen Räumen, Betriebswirtschaft und Biodiversität, die Georg-August-Universität Göttingen sowie das Michael-Otto-Institut im NABU. In den Projektregionen werden die zehn beteiligten Betriebe vor Ort von den Landesbauernverbänden und deren Kulturlandschaftsstiftungen betreut und beraten.

Seit inzwischen neun Jahren entwickeln und erproben über 20 Forschende, 10 Landwirte und 15 Betriebsberatende gemeinsam verschiedene Naturschutzmaßnahmen. Das Projekt endet zum 31.12.2026. Nun wird eine Bilanz gezogen, während F.R.A.N.Z. zeitgleich Strategien und Vorgehen diskutiert, wie sich Biodiversität langfristig in der landwirtschaftlichen Praxis verankern lässt. 

1. Erfolgreiche Biodiversitätsförderung durch Kooperation

Erfolgreiche Naturschutzmaßnahmen setzen eine vertrauensvolle, langfristige Zusammenarbeit voraus, in der die verschiedenen Positionen verstanden werden. Die fachliche Begleitung im F.R.A.N.Z.-Projekt hat bei vielen teilnehmenden Betrieben das Interesse an biologischen Zusammenhängen geweckt und das Verständnis für die Ziele von Biodiversitätsmaßnahmen gestärkt. Das Projekt bestätigt die Empfehlungen der Zukunftskommission Landwirtschaft: Dialog, Kooperation und die Anerkennung von Leistungen sind zentrale Voraussetzungen für erfolgreichen Naturschutz in der Agrarlandschaft.

2. Ökologische Wirksamkeit der Maßnahmen

Die erprobten F.R.A.N.Z.-Maßnahmen eignen sich überwiegend, die Artenvielfalt und Individuenzahlen von Flora und Fauna zu erhöhen. Für eine nachhaltige Förderung aller Zielorganismen ist ein auf die lokalen Bedingungen abgestimmter Maßnahmen-Mix erforderlich. Die Ergebnisse legen nahe, dass diese Maßnahmen Eingang in Förderprogramme von Bund und Ländern finden sollten.

3. Passgenaue Kombinationen für einzelne Betriebe

„One size fits all“ gibt es nicht: Ein flexibles Baukastensystem ermöglicht die Anpassung der Maßnahmen an unterschiedliche Betriebe und Biodiversitätsziele. Neben der ökologischen Wirksamkeit ist besonders die Praxistauglichkeit entscheidend für die Akzeptanz. Im Projekt zeigte sich, dass nach ersten Erfahrungen mit einfachen, einjährigen Maßnahmen die Bereitschaft zur Umsetzung komplexerer, mehrjähriger Maßnahmen deutlich gestiegen ist.

4. Angemessene Bezahlung fördert Akzeptanz

Für die Umsetzung von Biodiversitätsmaßnahmen sind regional angepasste Förderhöhen ausschlaggebend, da sie die standortabhängigen Opportunitätskosten ausgleichen. Bund und Länder sollten dies berücksichtigen, um die Akzeptanz zu erhöhen und die Maßnahmen in der Fläche breiter umzusetzen.

5. Hemmnisabbau und praxisgerechte Auflagen

Um möglichst viele Landwirte für die Maßnahmen zu gewinnen, braucht es geeignete ordnungs- und förderrechtliche Rahmenbedingungen. Auch hier setzt F.R.A.N.Z. an und gibt Impulse in die Agrar- und Umweltpolitik. Komplexe, ökologisch wirksame Maßnahmen verursachen hohen Dokumentations- und Kontrollaufwand. Vereinfachungen, mehr Flexibilität und der Abbau bürokratischer Hemmnisse sind entscheidend, um Unsicherheiten bei Verwaltung und Betrieben zu reduzieren. Ein verstärkter Austausch zwischen Behörden und Landwirten kann hierbei hilfreich sein.

6. Zielgerichtete Beratung sichert Umsetzung

Eine präzise Flächenanalyse und gezielte Planung sind notwendig, um die Potenziale der Betriebe optimal zu nutzen und verschiedene Maßnahmen sinnvoll zu kombinieren. Anspruchsvolle Biodiversitätsmaßnahmen lassen sich ohne fachliche Beratung nicht in der Breite umsetzen. Deshalb sollten Beratungsangebote in den Ländern gestärkt werden, sodass jeder Landwirt Zugang zu qualifizierter Naturschutzberatung hat.

Die Stiftung Kulturlandpflege betreut den Demonstrationsbetrieb in der Lüneburger Heide.

Die Stiftung Kulturlandpflege Niedersachsen übernimmt die Betreuung und naturschutzfachliche Beratung des Betriebes in Niedersachsen, bei der Auswahl und Planung der Biodiversitätsmaßnahmen. Außerdem unterstützt sie die organisatorische Projektarbeit vor Ort und ist Ansprechpartner für Presseanfragen.

Sollten Sie Fragen zum Betrieb haben, wenden Sie sich gerne direkt an den Betriebsbetreuer.

Ansprechpartner: Björn Rohloff, Tel.: 0511 / 3670473, E-Mail: info(at)stiftungkulturlandpflege.de

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie unter www.franz-projekt.de.